Noch bis zum 21. Juli 2017 konnte eine Ehe vor Eintritt der Volljährigkeit eingegangen werden, wenn auf Antrag eines minderjährigen Verlobten das Familiengericht eine Befreiung vom Alterserfordernis erteilte. Bei wirksam im Ausland geschlossenen Ehen mit einem minderjährigen Ehegatten musste stets geprüft werden, ob die betroffene ausländische Rechtsnorm im Einzelfall mit wesentlichen Grundsätzen des deutschen Rechts offensichtlich unvereinbar ist.

Am 22. Juli 2017 trat dann das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen in Kraft. Demnach wurde die Befreiungsmöglichkeit des Familiengerichts abgeschafft. Ehen, die unter Verstoß gegen die Ehemündigkeitsvorschriften geschlossen wurden, sind unwirksam, wenn ein Ehegatte im Zeitpunkt der Eheschließung das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Sollte der Ehegatte das 16. Lebensjahr vollendet haben, ist die Ehe aufhebbar, wobei die Aufhebung den Regelfall darstellen soll. Auch den im Ausland geschlossenen Ehen mit einem minderjährigen Ehegatten wurde grundsätzlich die Geltung im deutschen Recht versagt.

„Ich bin sehr froh darüber, dass das Gesetz geändert wurde. Immerhin geht es hier um den Schutz und das Wohl der Minderjährigen sowie auch deren Entwicklungschancen. Kinder sind der empfindlichste Punkt unserer Gesellschaft und brauchen dementsprechend unsere volle Aufmerksamkeit und umfänglichen Schutz. Dazu zählt auch, dass wir in keiner Form Kinderehen akzeptieren werden, weder in Deutschland noch im Ausland geschlossene Kinderehen wird unser Rechtsstaat tolerieren“, so der hessische CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi.

Aus einer Antwort des Ministeriums des Innern und für Sport auf eine kleine Anfrage zu Mehrehen und Kinderehen geht hervor, dass insgesamt 7 Mädchen unter 14 Jahre den Behörden in Hessen als verheiratet bekannt waren, wobei dies nur die Zahlen aus dem aktuellen Datenbestand sind. Bei den verheirateten Personen zwischen 14 und 15 Jahren waren es 31 Mädchen und 6 Jungs, zwischen 16 und 17 Jahren sogar 73 Mädchen und 8 Jungs.

„Diese Zahlen machen deutlich, dass wir das Thema nicht ignorieren dürfen. Jede Kinderehe ist eine zu viel! Sie kann lebenslange Auswirkungen bei den betroffenen Personen haben, sowohl physischer als auch psychischer Natur. Sind die Mädchen erst einmal verheiratet, dann gehen sie oft nicht mehr in die Schule und haben dadurch keinen Abschluss. Auch frühe Schwangerschaften und Gewalt der Ehemänner kann zu großen gesundheitlichen Problemen führen. Deshalb müssen wir, weltweit, alles dafür tun, die Zahlen zu senken. Dazu braucht es auch Aufklärung über die Risiken, die eine so frühe Heirat mit sich bringt. Obwohl in einigen Ländern Kinderehen bereits verboten sind, werden diese Gesetze oft wegen religiöser, traditioneller und kultureller Bräuche umgangen. Kinder sind das Fundament unsere Gesellschaft. Auf ihnen ruht die gesamte Hoffnung der Zukunft. Sie brauchen Freiräume ohne Repression, Räume zum Lernen, Leben, Spielen und zur Entfaltung. Deshalb werden wir auch in Hessen nicht nachlassen, uns für Kinder und Jugendliche einzusetzen.“

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