Dietzenbach - Der arabisch-islamische Begriff „Kafir“ – Ungläubiger – prangt von drei Wahlplakaten des CDU-Landtagsabgeordneten Ismail Tipi in der Kreisstadt. Er vermutet dahinter einen radikalen Hintergrund und fühlt sich bedroht. Von Ronny Paul

Ismail Tipi befindet sich aktuell im Wahlkampf, schließlich möchte er weitere fünf Jahre als Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis 45 (Mühlheim, Obertshausen, Heusenstamm, Dietzenbach) im hessischen Parlament sitzen. Der Heusenstammer CDU-Politiker gehört seit 2010 dem Landtag an und hat sich in diesen acht Jahren mit seinen Positionen etwa gegen radikale Muslime, Salafisten und für ein Burka- sowie ein Kopftuchverbot für Mädchen in Schulen nicht nur Freunde gemacht. „Es vergeht kein Tag, an dem ich keine Beleidigung der untersten Schublade bekomme“, sagt Tipi. Diese erreichen ihn überwiegend über die Netzwerke Twitter und Facebook. Aber auch Morddrohungen habe er schon bekommen, „dem Landeskriminalamt und dem Staatsschutz ist das bekannt“, berichtet er.

Der Staatsschutz beschäftigt sich nun auch mit einem aktuellen Fall. In den vergangenen Tagen haben bislang Unbekannte drei seiner in der Kreisstadt aufgestellten Wahlplakate mit dem arabisch-islamischen Begriff „Kafir“ beschmiert, was so viel bedeutet wie „Ungläubiger“ oder „Gottesleugner“. Das sei typisch für radikale Islamisten, sagt Tipi. Denn jeder, der nicht muslimischen Glaubens sei, werde von den Radikalen als „Kafir“ bezeichnet. Der Landtagsabgeordnete vermutet, dass die Schmierereien aus diesem Milieu stammen, „kann es aber nicht beweisen“. Er wird konkreter: Kafir oder arabisch Kuffar bedeutet in jener Gesinnung das Minderwertigste, was man sich vorstellen kann. Er empfinde das als Drohung, „als gezielten Angriff auf meine Person“. Strafanzeige gegen Unbekannt hat er gleich gestellt.

Auf einem Plakat an der Ecke Offenbacher- und Dreieichstraße sind seine Augen zudem geschwärzt, was laut Tipi als Zeichen für Tod gelte. Die beiden weiteren beschmierten Plakate stehen auf der Offenbacher Straße nahe des Steinberg-Kreisels und auf der Offenthaler Straße an der sogenannten SG-Kreuzung. Auffällig ist zudem, dass benachbarte Plakate, egal welcher Partei, nicht verunziert wurden.

Tipi dachte, als er Ende September ein Plakat mit dem Begriff „Kafir“ und geschwärzten Augen an der Ecke Offenbacher- und Dreieichstraße entdeckte, zunächst an einen Jugendstreich. Die Wahlwerbung tauschte er gegen eine neue aus. Nun am Wochenende, als drei Plakate auf einmal beschmiert wurden, sei ihm klar geworden, dass die Aktion wohl organisiert wurde.

Auf Nachfrage sagt Rudi Neu vom Polizeipräsidium Südosthessen, dass der Verdacht auf einen politisch motivierten Hintergrund bestehe. „Die Ermittlungen laufen.“ Die Spurensuche gestalte sich allerdings bei Plakaten schwierig. Die Polizei hofft auf Zeugen, die Hinweise auf die Täter geben können und an einem der drei Orte Verdächtiges beobachtet haben. Diese melden sich bei der Kriminalpolizei in Offenbach unter 069/8098-1234.

Personenschutz hat Tipi indes nicht gefordert. „Ich glaube, die Polizei hat andere wichtige Aufgaben.“ Der gläubige Muslim ist der festen Annahme: „Gott wird mich schützen.“

Aus: https://www.op-online.de/region/dietzenbach/dietzenbach-wahlplakate-cdu-landtagsabgeordnetem-beschmiert-gezielter-angriff-meine-person-10310095.html (aufgerufen am 09.10.2018)

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