In Hessen gibt es immer mehr Messerattacken. Das geht aus Daten hervor, die das hessische Innenministerium herausgegeben hat. Zwischen 2014 und 2016 ist demnach die Zahl um rund 20 Prozent gestiegen. Zuletzt waren es im Jahr 2016 1.116 Körperverletzungen oder Tötungsdelikte, die mit dem Messer ausgeführt wurden, rund 200 mehr als zwei Jahre davor.

„Man hat immer wieder von solchen, zum Teil sehr schweren Angriffen gelesen. Dabei waren auch Vorfälle, die sich zwischen Jugendlichen ereigneten und auch die Polizei wurde mit Messern angegriffen. Das sind schockierende Entwicklungen“, so der hessische CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi.

Ein Grund dafür sei laut Martin Rettenberger, Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, dass das Messer einfach zu bekommen sei. Laut Waffengesetz ist das Mitführen von Messern mit beidseitig geschliffenen Klingen oder mit einem Sprungmechanismus verboten. Aber auch gewöhnliche Küchen- oder Taschenmesser dürfen beispielsweise bei Veranstaltungen nicht mitgeführt werden. Doch diese gesetzlichen Vorschriften sind vielen nicht bewusst.

Nach Angaben des hessischen Innenministeriums hatten 57 Prozent der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass. Darunter sind rund 60 verschiedene Nationen. Das Thema ist aber auch bundesweit brisant. In Lünen in Nordrhein-Westfalen hat ein 14-Jähriger Schüler mit einem Messer seinen Mitschüler umgebracht, außerdem wurde ein 15-Jähriger Junge in der Pfalz getötet. Laut einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums am Beispiel Niedersachsen ist diese Entwicklung demnach nicht nur in Hessen zu beobachten.

„Es ist wichtig, dass wir einerseits versuchen, diese Entwicklung zu verstehen. Denn nur, wenn wir die Ursachen dafür kennen, können wir auch geeignete präventive Maßnahmen ergreifen. Gleichzeitig müssen wir aber vor allem auch die Polizeibeamten schützen, denn auch sie sind immer wieder dieser Gefahr ausgesetzt. Die Polizei muss sich darauf einrichten, öfters auf mit Messern bewaffnete Jugendlichen zu treffen. Das hessische Innenministerium hat schon früh reagiert und in Schutzkleidung investiert. Beispielsweise wurden 10.000 sogenannte stichfeste Schals für die Polizisten gekauft. Und auch Schutzwesten sollen beschafft werden, die nicht nur Kugeln, sondern auch Klingen abwehren. Mit diesen und andern Maßnahmen sorgt die Regierung für die Sicherheit der Polizei und dafür, dass Hessens Straßen wieder sicherer werden“

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